Ausblick: Energiegemeinschaften

Seit 2017 ist es in Österreich möglich, mittels einer „Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage“ (siehe Elektrizitätswirtschafts- und –organisationsgesetz 2010; §16a), den Strom, der auf einem Gebäude erzeugt wird, allen Bewohnern/Mietern zur Verfügung zu stellen. An der Grundstücksgrenze bzw. am Netzanschlusspunkt ist aber dann Schluss.

Energiegemeinschaften

Der nächste Schritt der Strommarkt-Revolution steht mit den „neuen Energiegemeinschaften an.
Konkret sind das die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft und die Bürgerenergie-Gemeinschaft. Durch die Umsetzung der Europäischen Richtlinien (Erneuerbare Energie Richtlinie und der Strombinnenmarktrichtlinie) in nationales Recht wird es in Zukunft Energiegemeinschaften, auch über die Grundstücksgrenzen hin weg, in gewisser regionaler Entfernung, ermöglicht Strom zu

Energiegemeinschaften sollen dazu beitragen, dass

  • eine Erleichterung für die Verbraucher ermöglicht wird. Der Betreiber soll im Stande sein, seine Energie selber zu erzeugen, zu speichern, zu teilen, zu verbrauchen oder an den Markt zu verkaufen – direkt oder im Rahmen von Energiekooperativen

  • regional erzeugte erneuerbare Energie vor Ort erzeugt und verbraucht werden kann.

  • die energetische Wertschöpfung in der Region bleibt.

  • wirtschaftliche Vorteile und ggf. ein billigeres Stromprodukt angeboten werden.

  • das Energiesystem ökologischer gestaltet wird.

  • Energiegemeinschaften die regionale Gesellschaft (BürgerInnen, KMU, Vereine,…) enger zusammenbringt.

  • eine Steigerung der Akzeptanz erneuerbarer Energie sowie ein Zugang zu zusätzlichem Privatkapital vor Ort stattfindet.

  • neue Energiekonzepte und Geschäftsmodelle ermöglicht werden.

Wichtige Rahmenbedingungen zu Energiegemeinschaft

  • Gewährleistung einer offenen und freiwilligen Beteiligung muss sichergestellt werden

  • Energiegemeinschaften sollen BürgerInnen, Gemeinden und KMU geführt werden

  • der Hauptzweck einer Energiegemeinschaft ist nicht das Erwirtschaften eines finanziellen Gewinns. Soziale, ökologische und wirtschaftliche Vorteile stehen für die Mitglieder im Fokus

Die nächsten notwendigen Schritte

Vor der Umsetzung der ersten Energiegemeinschaften müssen die entsprechenden EU-Richtlinien (Erneuerbare Energie Richtlinie und der Strombinnenmarktrichtlinie) aber noch in Österreich in nationales Recht umgesetzt werden.

Dazu gelten die Umsetzungsfristen

  • die Strombinnenmarkt-Richtlinie bis zum 31. Dezember 2020
  • die Erneuerbare-Energie-Richtlinie bis zum 30. Juni 2021

Seit dem 16. September 2020 liegt der Entwurf zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz für die Umsetzung von Energiegemeinschaften in Österreich vor.

Vorgesehen sind folgende zwei Modelle:

  • Erneuerbare Energiemodelle
  • Bürgerenergie Gemeinschaften

Unterschied zwischen der Erneuerbare-Energien-Gemeinschaft und der Bürgerenergie Gemeinschaft

Die beiden Möglichkeiten der Umsetzung von Gemeinschaften werden in zwei separaten Richtlinien angeführt. So ermöglicht die Erneuerbare Energie Richtlinie (kurz EE-RL) die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft und die Strommarkt-Richtlinie die Bürgerenergie-Gemeinschaft. Während Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften sich auf alle erneuerbare Energien beziehen, sind Bürgerenergie-Gemeinschaften auf Elektrizität beschränkt,. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist u.a. auch der Beteiligungsradius, der bei Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften enger gesetzt ist als bei Bürgerenergie-Gemeinschaften.

Folgende Rahmenbedingungen sind vorgesehen:

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG)

Bürgerenergiegemeinschaften (BEG)

Europäische Rechtsgrundlage Art. 22 RL 2018/2001 (“RED II”) Art. 16 RL 2019/944 (Strombinnenmarkt-RL)
Österreichische Gesetzesgrundlage Erneuerbare-Ausbau-Gesetz § 73 (liegt als Entwurf vor, 16.9.2020) ElWOG § 16b (liegt als Entwurf vor, 16.9.2020)
Leitgedanken ökologische, wirtschaftliche oder sozialgemeinschaftliche Vorteile, nicht vorrangig finanzieller Gewinn ökologische, wirtschaftliche oder sozialgemeinschaftliche Vorteile, Hauptzweck nicht finanzieller Gewinn
Tätigkeit Erzeugung, Verbrauch, Speicherung, Verkauf von erneuerbarer Energie. Der Netzbesitz und -betrieb ist zulässig (in Hinblick auf die Vorgaben aus ElWOG).

Nach außen: Zugang zu allen geeigneten Energiemärkten

Nach innen: gemeinsame Nutzung der produzierten erneuerbaren Energie.

Erzeigung, Verbrauch, Speicherung, Verkauf, Aggregierung von elektrischer Energie. Der Netzbesitz und -betrieb ist zulässig (in Hinblick auf die Vorgaben aus ElWOG).

Erbringung von Energieeffizienzdienstleistungen oder Ladedienstleistungen

Nach außen: diskriminierender Zugang zu allen Elektrizitätsmärkten

Nach innen: gemeinsame Nuzung der produzierten Elektrizität

Nähe zum Projekt Nähekriterium zur Erzeugungsanlage erforderlich für Beteiligung an Gemeinschaft: Anschluss der Verbraucher über das Niederspannungsnetz (Lokalbereich) oder über das Mittel- und Niederspannungsnetz (Regionalbereich) an die Erneuerbare Energie-Gemeinschaft erforderlich Keine Nähekriterium zur Erzeugungsanlage erforderlich für eine Beteiligung an Bürgerenergiegemeinschaft
Weitere Vorgaben
  • Gründungsdokument und Verträge erforderlich
  • Smart-Meter/Lastprofilzähler erforderlich
  • Auskunftspflicht des Netzbetreibers zu vorliegender Netzebene
  • Abrechnung des Stromanteils dynamisch oder statisch möglich
  • Gründungsdokument und Verträge erforderlich
  • Smart-Meter/Lastprofilzähler erforderlich
  • Pflichten für Bilanzgruppenmanagement sind zu übernehmen
  • Abrechnung des Stromanteils dynamisch oder statisch möglich
Konstituierung Rechtsperson, Kontrolle von Anteilseignern oder Mitgliedern, offene und freiwillige Beteiligung Rechtsperson, Kontrolle von Anteilseignern oder Mitgliedern, offene und freiwillige Beteiligung
Mitglieder min. 2 Mitglieder notwendig, natürliche Personen, Gemeinden, lokale Behörden, Kleine- und mittlere Unternehmen

Bei Unternehmen darf die Teilnahme nicht feren gerwerbliche/berufliche Hauptätigkeit darstellen.

min. 2 Mitglieder notwendig, natürliche oder juristische Personen, Gebietskörperschaften, Kleinunternehmen, offen für sonstige Mitglieder

Entscheidungsbefugnisse obliegen eingeschränktem Mitgliederkreis (nat. Personen, Gebietskörperschaften, kleine Unternehmen), wenn Teilnahme nicht deren gewerbliche oder berufliche Haupttätigkeit ist.

Organisationsform Verein, Genossenschaft, Personen- oder Kapitalgesellschaft, Eigentümergemeinschaft (nach WEG) oder ähnliche Vereinigung mit Rechtspersönlichkeit Verein, Genossenschaft, Personen- oder Kapitalgesellschaft, Eigentümergemeinschaft (nach WEG) oder ähnliche Vereinigung mit Rechtspersönlichkeit
Unterstützender Regulierungsrahmen
  • niederschwellige Einrichtung
  • Messung – Anlehnung an § 16a ElWOG 2010
  • “Ortstarif” – Entfall eines Teil der Netzgebühren
  • kein EAG-Förderbeitrag
  • keine Elektrizitätsabgabe
  • freie Lieferantenwahl bleibt bestehen
  • Niederschwellige Einrichtung
  • Messung – Anlehung an § 16a ElWOG 2010
  • Datenaustausch zwischen Netzbetreibern
  • freie Lieferantenwahl bleibt bestehen

Die obenstehende Übersicht wurde auf Basis des vorliegenden Entwurfs zum Erneuerbaren Ausbau Gesetz (Stand 16. September 2020) erstellt.
Für Irrtümer wird keine Haftung übernommen